Chapter 1:
Kaleid
Mitternacht hat die Stadt in ein surrendes Schweigen gehüllt, als ich die Glastür des Büroturms aufstieß. Der Asphalt glänzt wie ein Fluss aus Schlaf, und meine Schritte darin – fremd, als gehörten sie einem anderen. Ich kam endlich nach Hause, ich trat ein, als ob die Erde unter meinen Füßen aus Kleber bestünde. Noch ein trübseliger Tag, der mit meinen Hoffnungen auf bessere Zukunft gefüllt war. Ich lag auf meinem Bett – schloss die Augen. Morgen, an einem jener grauverhangenen Tage, ging ich weg – zu der Arbeit. Einer dieser trübseligen Arbeitstage erwartet mich, einer dieser wütenden Kunden auch, und letztendlich mein arroganter, narzisstischer Chef wartet auf mich. Ich sinne selten nach, ob ich meinen Job kündigen solle. Und doch führt jeder Gedanke mich stets zur selben Schlussfolgerung.
Ich trat ein und saß an meinem Schreibtisch, ich erhob meinen Kopf, den Blick auf den Bildschirm gerichtet und fing an zu schreiben. Nach ein paar Stunden – neun, um genauer zu sein – neun trübseliger, blutsunkener Stunden. Und dann, aus dem Nichts, höre ich eine Stimme hinter meinem Rücken – dumpf, lind, noch vermischt mit Freude.
Mein Chef äußert: „Überraschung!“ Er steht vor mir, die Hände fest eine Kiste umklammern.
Ich antwortete: „Was ist das?“
Er flüsterte, sein Gesicht gezeichnet von einem breiten Grinsen: „Du bist gefeuert.“
Ich vermag nichts zu äußern, meine Wörter, die an der Schwelle zur Sprache verhungerten.
Ich dachte
"Nun, ich denke, das ist besser so. Aber wie komme ich jetzt an Geld?"
Mein Blick fiel darauf – eine Kneipe. Ich trat ein, jetzt frei und freiwillig. Ich saß, den Kopf in den Händen, und murmelte
"Lager bitte." meine Stimme fern, lediglich hörbar.
Ich vernehme eine Stimme "Jemand hat einen schlechten Tag, oder?" Ich drehte mich. Ich erblickte eine Frau. Sie fuhr fort
"Moin!"
Ihre lila Augen durchbohrten meine Seele. Ihr kurz geschnittenes, rabenschwarzes Haar umschmeichelte ihr Gesicht, und ihr Lächeln entzündete ein inneres Licht, das mich mit sanfter Wärme erfüllte.
Ich vermochte nicht zu begreifen, warum sie mit mir redete. Ich antwortete
"Moin. Man kann so sagen – ich habe meinen Job verloren"
Sie erhob ihren Arm und reichte mir eine Flasche
"Evangeline ist mein Name. Ich lade dich ein"
Wir verbrachten eine schöne Zeit miteinander. Ihr Lächeln – das nie verblasste. Ihr Lachen – ein Klang, der mich zur Ruhe kommen ließ, mich entspannt und geborgen fühlen ließ. Es war, als ob wir gemeinsam in einem warmen, stillen Raum saßen, weit weg vom Rest der Welt.
Ihr Geruch verwehte, süß wie Vanille und eine leichte Note von Beer.
Die Sonne geht unter, doch violette Wolken verharren am Himmel. In solch einer Atmosphäre pflegt der Dialog der Gruppe zu versiegen, wir waren keine Ausnahme. Sie ging weg, ohne Tschüss zu sagen – der Abschied wurde nicht ausgesprochen.
Ich ging nach Hause, trat ein, als ob der Boden unter meinen Füßen aus Vergangenheit bestünde. Ich saß auf dem Sofa, ich verspürte etwas – eine kleine Notiz mit einer Telefonnummer darin: "Nur im Notfall! Wenn du dich wieder niedergeschlagen fühlst.”
Ich konnte mich nicht daran erinnern, wie ich es bekommen hatte – nicht weil ich unachtsam war, sondern weil ich betrunken gewesen war. Ich senkte den Kopf, als würde die Schwere des Gedankens mich niederdrücken. Meine Vision verblasste, ich vermochte dem Drang zu schlafen nicht zu widerstehen. Mein Raum scheint mürbe-morsch zu werden. Das Aroma der Bücher, deren vergilbte Seiten verstreut liegen, erfüllt den Raum. Leise trat ich zum Bett, meine Bewegungen, zittrig. Ich entrann meinem betrunkenen Zustand und fiel auf das Bett.
Ich öffnete meine Augen. Die Lichtstrahlen der Sonne fielen auf mich. Ich überprüfte mein Handy – es ist 6Uhr morgens. Ich trat in das Badezimmer, den Blick auf den Spiegel gerichtet, mein Gesicht gezeichnet von Müdigkeit. Mein Blick fiel darauf – nämlich ein Bild, das ich nie vergessen werde. Ein Foto von mir und meiner Freundin. Ich senkte meinen Kopf, als ob die Schwere des Gedankens mich tötete.
Ich schlurfte zu meinem Telefon, die Hände fest umklammerten eine Notiz mit einer Telefonnummer. Ich zögerte lange, sie zu telefonieren – mein Haus fiel zu Verstummen, nur die Geräusche meiner Zerrissenheit, die gegen meine Sturheit kämpfte.
„Hallo, wer ist das?“
Ich vermochte nicht zu begreifen, wie ich ihre Stimme bereits vernahm – ich hatte sie doch schon angerufen.
Ich zögerte, dann äußerte ich mich, zittrig und dumpf wegen meines alten Handys.
„Hallo, es ist...“ Ich glaube nicht, dass ich ihr meinen Namen gesagt habe,
„Es ist dieser Mann, den du in der Kneipe gestern kennengelernt hast. Ich habe deine Telefonnummer aus der Notiz gefunden, die du mir gegeben hast.“
Stille, die durch ihre Stimme unterbrochen wurde - „Oh ja, geht’s dir gut? Hast du gut geschlafen?“
Ich antwortete.
„Danke, mir geht’s besser als gestern. Und dir?“
Erneut führte das Gespräch zum Schweigen, und dann äußerte sie.
„Mir geht’s großartig, was machst du jetzt? Ich vermute du hast Lust auf ein Treffen?“
Mein Gesicht war von Überraschung gezeichnet, mit etwas Schüchternheit flüsterte ich.
„Ja, Entschuldigung...“
Ich stand am Fenster, die regenversunkene Gassen zeigte mein Spiegelbild.
Sie antwortete, ihre Stimme lind, lachend, ein Geräusch, das die mürbe Stille zerschnitt.
„Man? Wir sind kein philosophisches Rätsel. Sag’s geradeaus: Treffen wir uns im Frost, am Bahnhof oder verlautest du lieber gar nichts?“
Meine Wangen entzündeten ein inneres Licht – Röte, die mich verriet. Ich starrte auf meine schlurfenden Füße, als vermöchten sie mir Antworten zu schenken.
Sie flüsterte wie ein Windstoß, der Papier verstreut
„Ich hol‘ dich ab. Aber nicht heute. Morgen um sieben.“
Ich schwieg. Worte, die an der Schwelle zur Sprache verhungerten, blieben in meiner Kehle stecken.
Sie äußerte - mit sanfter Wärme erfüllt, doch unerbittlich
„Und falls du fliehst, ich begreife schon warum.“
Ein leises Klicken beendete den Anruf.
Ich hob meine Hand und erblickte die Zeit – Evangeline wird morgen um sieben ankommen.
Mein Blick fiel darauf – Bäume in der Ferne. Ich schlurfte dorthin, mein Blick auf die Blätter der Bäume gerichtet. Ich ließ ein Aufatmen heraus, die Blätter verwehten, sacht herumirrend und hinüberschwingend. Solche Momente pflegen, ein inneres Licht zu entzünden; jedoch war das meine bereits zuvor durch Evangelines Worte entfacht worden.
Ich verharrte noch ein paar Minuten dort. Frische Luft schien sich zu verirren. Ich verspürte etwas Kaltes auf meinem Kopf – Regen. Ich vernahm andernorts die Geräusche des Regens. Obwohl der Tag regenversunken war, ging ich weiter durch die Stadt, die Geräusche meiner Schritte hallten auf dem vom Regen aufgeweichten Boden wider. Ich irrte durch die Stadt und sann über meinen vorherigen Job nach, über meine Fügung und was die Zukunft für mich bereithält.
Plötzlich fühlte ich sanfte Wärme – ein Kontrast zu meiner kalten Haut vom Regen zuvor – die Strahlen der Sonne. Ich senkte meinen Kopf und überprüfte mein Handy – Viertel bis sieben Uhr morgens. Ich flüsterte, dumpf mit leichtem Stimmbruch
„Scheiße!“
Ich rannte zurück zu meinem Haus. Mein Herz schlug nicht wegen der Kälte oder der Erschöpfung, sondern weil Evangeline auf mich wartete. Manchmal reicht ein einziger Blick, um zu glauben, man könne sich selbst wieder zusammensetzen. Vor mir: das graue Licht des Morgens. Hinter mir: eine Nacht, die ich lieber vergessen würde.
Und irgendwo dazwischen: Hoffnung – so leise wie ihr Lachen.
Ich kam endlich nach Hause und sah sie. Ich schlurfte zu ihr und sagte mit leichtem Keuchen vor Anstrengung „Ich hoffe, du hast nicht lange auf mich gewartet, ich habe einen Spaziergang gemacht.” sie lachte und bekundete
„Freust du dich nicht, mich so früh zu sehen?“
Ich schüttelte den Kopf
„Nö, ich freue mich, dich zu sehen. Also, sollen wir gehen?“
Sie schwang zu mir hinüber, ihre Hände schlangen sich um meine – ihre Berührung sanft und beruhigend, doch etwas nicht echt. Allerdings vermochte ich nicht zu gehen, ein scharfer Husten entfuhr meiner Kehle. Evangeline rückte näher, ihre Stimme sanft, doch fest.
„Ist alles okay?“
Ich zögerte, dachte für ein paar Sekunden, und dann bekundete ich, zittrig und dumpf
„Ich denke, ich bin krank, weil ich im Regen herumgelaufen bin.“
Sie legte ihre Hand auf meine Schulter. Ich erhob meinen Kopf, den Blick auf ihr Gesicht gerichtet, ihre Augen voller Gnade – ein Licht von makelloser Schönheit.
„Lass uns reingehen, du solltest dich ausruhen.“
Sie schleppte mich mit und trat ein. Ich flüsterte
„Danke, es tut mir leid, ich wollte wirklich mit dir ausgehen.“
Ich schloss meine Augen und ließ ein Aufatmen heraus.
Ich öffnete meine Augen und erblickte ihr Gesicht – eine kleine, spitze Nase, rabenschwarze, kurze Haare, die ihr Gesicht umschmeichelten. Sie lächelte ein wenig und äußerte.
„Es ist nichts, kümmere dich heute einfach um dich selbst. Wenn du möchtest, können wir auch hierbleiben und ein paar Filme anschauen oder einfach nur quatschen.“
„Ja klar.. das ist eine gute Idee.“
Ich spürte mein Handy, überprüfte es und äußerte
„Ich werde etwas zu essen bestellen, was möchtest du?“
Sie flüsterte, fern doch lind
„Ich bin kein wählerischer Esser, ich überlasse die Entscheidung dir.“
Während ich das Essen bestellte, verharrte sie regungslos neben mir und begann, eine Melodie zu summen. Sanfte Rhythmen ihrer Hymne erfüllten den Raum mit wohlklingenden Tönen – Tönen, die einem Mann, der dem Selbstmord nahe war, eine gänzlich neue Bedeutung zu verleihen schienen. Ihre zarte Stimme schnitt sich in meinen Körper, lähmte meine Seele, und es war von einer beinahe überwältigenden Schönheit.
Ich machte ihr ein Kompliment, um die Spannung ein wenig zu lösen und ihr zu zeigen, dass mir die Melodie gefiel.
„Wow, du hast eine sehr schöne Stimme.“
Sie äußerte nichts.
Sie schloss die Augen, und einzig das dumpfe Flüstern ihres Atems durchbrach die Stille; als wäre sie in ein mildes, von Müdigkeit getränktes Schlummermeer abgeglitten.
Ich senkte den Kopf – glasiger Blick irgendwo ins Nirgendwo gerichtet.
Ich erhob meinen Kopf und erblickte Evangeline – sie schlief.
Langsam legte ich meine Hand auf ihre Schulter und schüttelte sie. Plötzlich fiel ihr Kopf auf den Tisch. Ihr Körper war mürbe, morsch – beinahe vollständig verfallen.
Ihr Geruch – von verfaultem Blut, vermischt mit Vanille – verwehte den Raum.
Ich schrie.
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